Römerlager Bentumersiel
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Das Römerlager Bentumersiel befindet sich in der Nähe der Emsmündung am linken Ufer des Flusses auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Jemgum im Landkreis Leer. Der Fluss markierte zur Zeitenwende die Grenze der Siedlungsgebiete der Friesen und der Chauken, die damals auf dem Gebiet des heutigen Ostfrieslands lebten.
Es zählt neben der Fundregion Kalkriese, den Ausgrabungsstätten bei Kalefeld und dem Römerlager Hedemünden zu den Orten in Niedersachsen, an denen archäologische Funde auf die Anwesenheit römischer Legionäre zu Beginn des 1. Jahrhunderts n. Chr. hinweisen.[1]
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Vorgeschichte
Unter dem Feldherren Drusus erreichten die Römer 12 v. Chr. erstmals Ostfriesland. Dieser erste der Drusus-Feldzüge (12–9 v. Chr.) diente nur zur Erforschung der rechtsrheinischen Gebiete und Beruhigung des Nordabschnitts der Grenze. Möglicherweise wollte Drusus aber auch gegen die Chauken in den Krieg ziehen, was aber offenbar wenig einbrachten. Erst 5 n. Chr. gelang unter Tiberius die Unterwerfung des Stammes. Auf der Rückfahrt geriet die römische Flotte unter Drusus durch die ihnen unbekannte Ebbe in größte Not. Als das Meer trocken fiel, strandeten die Schiffe und die Römer mussten durch die zu Lande mitziehenden Friesen gerettet werden.[2]
[Bearbeiten] Römerlager
Nach der Niederlage der Römer in der Varusschlacht begann Germanicus im Jahr 14 n. Chr. einen großangelegten Feldzug gegen die Germanen. 16 n. Chr. ankerte eine römischen Kriegsflotte in der Ems. Zu ihrer Versorgung und zum Schutz der Schiffe wurde das Lager in Bentumersiel wahrscheinlich angelegt. Darauf deuten sowohl die gefundenen Gegenstände als auch antike Quellen hin. So berichtet Tacitus, dass ein Teil der römischen Armee auf Schiffen in das Ems-Gebiet transportiert worden ist und die Flotte hier auf die Rückkehr der Legionäre von den Feldzügen gegen die Germanen gewartet hat.
Nach dem derzeitigen Forschungsstand wird davon ausgegangen, dass es sich bei Bentumersiel um eine römische Militärstation der frühen Phase gehandelt haben muss, die eine wichtige Rolle bei der Versorgung der in Nordwestdeutschland operierenden römischen Truppen des Germanicus (15/16 n. Chr.) spielte. Zudem war der Ort im Grenzgebiet zwischen Friesen und Chauken damals ein Handelsplatz im innergermanischen, aber auch im römisch-germanischen Warenaustausch. Bislang konnten jedoch, abgesehen von einem rechtwinkelig abknickenden Graben, keinerlei Spuren römischer Befestigungsanlagen gefunden werden.
[Bearbeiten] Wiederentdeckung
1928 stieß man beim Abbau von Ziegelton auf zahlreiche Funde, darunter eindeutige Militaria und Importkeramik, die sich in spätaugusteisch-frühtiberische Zeit datieren ließen. 1929 erfolgte eine erstmalige Erkundung des Geländes durch Archäologen. 1971-1973 ließ das damalige Niedersächsische Landesinstitut für Marschen- und Wurtenforschung Wilhelmshaven (heute Institut für historische Küstenforschung) umfangreiche Grabungen ausführen.[1] 2006 begannen erneute Grabungen.[3] Dabei stellte sich heraus, dass Bentumersiel eine zwischen der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts vor Christus bis möglicherweise in das fünfte nachchristliche Jahrhundert hinein genutzte Flachsiedlung auf dem westlichen Emsuferwall war.[4] Dabei unterschied sich Bentumersiel deutlich von einer bäuerlichen Siedlung. Die Anordnung der Wege, Gräben und Zäune deutet eher auf einen Handels- und Stapelplatz hin. Zudem hatten die wenigen bislang freigelegten Häuser keinen Stall.[1]
[Bearbeiten] Literatur
- Klaus-Ernst Behre: Acker, Grünland und natürliche Vegetation während der römischen Kaiserzeit im Gebiet der Marschensiedlung Bentumersiel/Unterems. In: Probleme der Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 12, 1977, S. 67–84.
- Klaus Brandt: Untersuchungen zur Kaiserzeitlichen Besiedlung bei Jemgumkloster und Bentumersiel (Gem. Hltgaste, Kr. Leer) im Jahre 1970. In: Neue Ausgrabungen und Forschungen in Niedersachsen 7, 1970, S, 145-163
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ a b c E. Strahl, Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung: Bentumersiel
- ↑ Klaus-Peter Johne: Die Römer an der Elbe: Das Stromgebiet der Elbe im geographischen Weltbild und im politischen Bewusstsein der Griechisch-römischen Antike, 2006, ISBN 3-0500-3445-9, S. 90
- ↑ Rheiderland-Zeitung vom 16. März 2006: Den Legionären auf der Spur
- ↑ http://www.fiks.de/rom/index.htm?rom12.htm Norbert Fiks: Die Römer in Ostfriesland- Das Römerlager Bentumersiel











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