Russland
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| Российская Федерация Rossijskaja Federazija Russische Föderation |
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| Amtssprache | Russisch, Sprache der Nationalitäten in den Teilrepubliken und Autonomen Kreisen | ||||
| Hauptstadt | Moskau | ||||
| Staatsform | Semipräsidiale Republik | ||||
| Staatsoberhaupt | Präsident Dmitri Medwedew | ||||
| Regierungschef | Premierminister Wladimir Putin | ||||
| Fläche | (1.) 17.075.400 km², davon in Europa: 3.952.550 km², in Asien: 13.122.850 km² | ||||
| Einwohnerzahl | (8.) 142.400.000 (europ. Teil: 104.400.000 / asiat. Teil: 38.000.000 Stand: März 2008) | ||||
| Bevölkerungsdichte | (179.) 9 Einwohner pro km² | ||||
| BIP | 2007 $1290 Mrd. (11.) |
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| BIP/Einwohner | $9075 (2007) | ||||
| HDI | 0,802 (67.) | ||||
| Währung | 1 Rubel = 100 Kopeken | ||||
| Gründung | 12. Juni 1990 (Souveränitätserklärung) 26. Dezember 1991 (Auflösung der Sowjetunion) |
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| Nationalhymne | Hymne der Russischen Föderation | ||||
| Nationalfeiertag | 12. Juni (Tag Russlands) | ||||
| Zeitzone | MEZ +1 bis +11 | ||||
| Kfz-Kennzeichen | RUS | ||||
| Internet-TLD | .ru und .su | ||||
| Telefonvorwahl | +7 | ||||
Russland (russisch Россия
Aussprache ?/i, Transkription Rossija; bzw. Russische Föderation und in richtiger Übersetzung aus dem Russischen Russländische Föderation, russisch Российская Федерация,
Aussprache ?/i/ Transkription Rossijskaja Federazija, beide Bezeichnungen sind gleichwertig) ist ein Staat im nördlichen Eurasien und flächenmäßig der größte der Erde. Russland entwickelte sich aus der Expansion des Großfürstentums Moskau, später des Russischen Zarenreiches zu einem von ethnischen Russen dominierten Vielvölkerstaat. Seine größte territoriale Ausdehnung hatte Russland im 19. Jahrhundert.
Die Russische Föderation ist Rechtsnachfolger der Sowjetunion, Atommacht und ständiges Mitglied des Weltsicherheitsrates. Das Land gilt nach der partiellen Erholung von den verschiedenen Transformationskrisen insbesondere wegen des Reichtums an natürlichen Ressourcen als wichtige Industrienation und wurde deshalb in die G8 aufgenommen.
Inhaltsverzeichnis |
Geografie
Angrenzende Staaten und Meere
Im Folgenden sind die an Russland angrenzenden Nachbarländer und Meere entgegen dem Uhrzeigersinn aufgeführt. Die Grenzlänge ist hinter den jeweiligen Staaten in Klammern angegeben.
Russland und die Volksrepublik China haben mit jeweils vierzehn die größte Anzahl von Nachbarstaaten mit einer Landgrenze.
Das russische Kernland grenzt an die Staaten Norwegen (196 Kilometer) und Finnland (1.340 Kilometer), gefolgt von einem kurzen Küstenstreifen zur Ostsee. Danach teilt sich Russland eine Grenze mit den baltischen Ländern Estland (294 Kilometer) und Lettland (217 Kilometer), weiter südlich gefolgt von Weißrussland (959 km) und der Ukraine (1.576 Kilometer).
Das Schwarze Meer trennt die europäischen Grenzen Russlands von den asiatischen. Im Kaukasus grenzen Georgien (723 Kilometer) und Aserbaidschan (284 Kilometer) an. Es folgt ein Küstenstreifen am Kaspischen Meer und eine lange gemeinsame Grenze mit Kasachstan (6.846 Kilometer).
In Ostasien grenzt Russland erstmals an die Volksrepublik China (etwa 40 Kilometer) und dann an die Mongolei (3.485 Kilometer). Danach trifft das russische Hoheitsgebiet zum zweiten Mal mit dem der Volksrepublik China zusammen (3.605 Kilometer). Mit Nordkorea (19 Kilometer) besteht die letzte Landverbindung zu einem anderen Staat. Danach folgen die Küstenlinien zum Japanischen Meer, dem Ochotskischen Meer, zum Pazifischen Ozean und schließlich zur Beringsee. Über die nur etwa 85 Kilometer schmale und 30 bis 50 Meter tiefe Beringstraße ist Russland im äußersten Osten von Alaska getrennt.
Der gesamte nördliche Teil des Landes grenzt an den Arktischen Ozean. Dort liegen verschiedene zu Russland gehörende Inseln, als nördlichste Franz-Josef-Land.
Neben dem Kernland besitzt Russland noch eine Exklave, den nördlichen Teil des ehemaligen Ostpreußens, die heutige Oblast Kaliningrad. Die Exklave grenzt an Litauen (227 Kilometer) und Polen (206 Kilometer) und gehörte bis 1945 zu Deutschland.
Die Gesamtlänge der Landesgrenzen beträgt 20.017 Kilometer, die Küstenlinie umfasst 37.653 Kilometer.
Großlandschaften
→ Hauptartikel: Russische Großlandschaften
Russland gliedert sich geografisch betrachtet hauptsächlich in die folgenden Großlandschaften (etwa in West-Ost-Richtung):
- Osteuropäische Ebene – westlich des Uralgebirges
- Westsibirisches Tiefland – östlich des Uralgebirges
- Nordsibirisches Tiefland – südlich des Arktischen Ozean
- Mittelsibirisches Bergland – zwischen Jenissei und Lena
- Südsibirische Gebirge – Gebirge im Süden Russlands (bzw. Sibiriens)
- Mitteljakutische Niederung – in der Fluss-Niederung der Lena
- Ostsibirisches Bergland – Gebirge östlich der Lena
- Ostsibirisches Tiefland – südlich der Ostsibirischen See
Flüsse
Im europäischen Teil Russlands ist der wichtigste Fluss die Wolga. Sie ist der längste Fluss Europas und verläuft ausschließlich in Russland. Nach 3.534 Kilometern mündet sie schließlich ins Kaspische Meer. Als Wasserweg erfährt die Wolga besondere Bedeutung, da sie Nordeuropa mit Zentralasien verbindet. Eine große Bedeutung für die slawischen Staaten besitzt auch der Dnepr (auch Dnjepr genannt). Der Strom entsteht westlich von Moskau und fließt anschließend durch Weißrussland und die Ukraine, wo er ins Schwarze Meer mündet. Über den Dnepr-Bug-Kanal ist er mit dem polnischen Fluss Bug und mit Weichsel und Memel verbunden, was den Dnepr zu einer wichtigen Wasserstraße macht.
Flüsse, die in das Kaspische Meer entwässern:
- Die Wolga entspringt in den Waldaihöhen beim Dorf Wolgowerchowe (228 m ü. NN) und mündet ins Kaspische Meer (-28 m), hat also ein Gefälle von 256 Metern und ist mit 3.534 Kilometer Länge der längste Fluss Europas.
- Die Kama ist ein 1.805 Kilometer langer, linker und der größte Nebenfluss der Wolga im europäischen Teil von Russland.
- Die Wjatka ist ein 1.314 Kilometer langer Zufluss der Kama im Osten des europäischen Teils von Russland.
- Die Oka ist ein rechter, 1.480 Kilometer langer Nebenfluss der Wolga im europäischen Teil Russlands.
- Die Kama ist ein 1.805 Kilometer langer, linker und der größte Nebenfluss der Wolga im europäischen Teil von Russland.
- Der Ural entspringt im gleichnamigen Gebirge und verläuft in Richtung Süden nach Kasachstan. Da er erst jenseits der kasachischen Grenze schiffbar wird, hat er für Russland nur geringe wirtschaftliche Bedeutung, jedoch wird er allgemein als Teil der Innereurasischen Grenze angesehen.
Flüsse, die in den Atlantik entwässern:
- Die Newa durchquert Sankt Petersburg (Leningrad) und mündet in die Ostsee.
- Die Düna ist ein in die Ostsee mündender, 1.020 Kilometer langer Strom in Russland, Weißrussland und im Baltikum.
- Der Pregel mündet hinter Kaliningrad (Königsberg) in das Frische Haff.
- Die Memel, russ. Neman, ist ein 937 Kilometer langer Strom, der durch Weißrussland und Litauen fließt und vor der Mündung ins Kurische Haff und die Ostsee fließt, Grenzfluss zwischen der Kaliningrader Oblast und Litauen ist.
- Der Don mündet in das Asowsche Meer, ein Binnenmeer des Schwarzen Meeres.
- Der Kuban fließt vom Elbrus aus 906 km durch das Hochland von Stawropol bis zum Asowschen Meer. Der Fluss ist wirtschaftlich bedeutend, da er schiffbar ist.
Flüsse, die in das Polarmeer entwässern:
- Die Petschora (Fluss) ist ein 1.809 Kilometer langer, zum Nordpolarmeer fließender Strom im nördlichen, europäischen Teil Russlands.
- Der Ob entwässert 2.430.000 km² mit etwa 13.070 m³/sec (Jahresdurchschnitt 1994). Er fließt aus dem Altai in den Arktischen Ozean.
- Der Tschulym ist ein 1.799 km langer Nebenfluss des Ob. Mit seinem rechten Quellfluss Weißer Ijus ist er 2.023 Kilometer lang.
- Der Irtysch ist mit 4.248 Kilometer der längste Nebenfluss des Ob.
- Der Tobol ist ein 1.591 Kilometer langer Zufluss des Irtysch in Kasachstan und Russland.
- Der Jenissei entwässert 2.440.000 km² mit etwa 20.022 m³/sec (Jahresdurchschnitt 1995) und fließt aus dem Sajangebirge in den Arktischen Ozean.
- Die Angara ist der einzige Abfluss des Baikalsees und mündet in den Jenissei.
- Die Selenga ist ein Zufluss des Baikalsees und damit der Angara. Sie entspringt in der Mongolei.
- Die Steinige und die Untere Tunguska münden in den Jenissei.
- Die Angara ist der einzige Abfluss des Baikalsees und mündet in den Jenissei.
- Die Lena entwässert 2.460.000 km² mit etwa 16.440 m³/sec (Jahresdurchschnitt 1994) und entspringt im Baikalgebirge. Sie mündet bei Tiksi.
- Die Indigirka entspringt südwestlich des Tscherskigebirges und mündet bei Poljarnoje.
- Die Kolyma entwässert 526.000 km² mit etwa 2.728 m³/sec (Jahresdurchschnitt 1994) und fließt vom Tscherskigebirge nach Tscherski, wo sie mündet.
Flüsse, die in den Pazifik entwässern:
- Der Amur, 2.824 km, mit Quellflüssen sogar 4.411 km lang, bildet oberhalb der Ussurimündung seit 1858/1860 einen Teil der Grenze zwischen Russland und China.
- Der Ussuri ist ein rechter Nebenfluss des Amur in Russland und China. Der 588 Kilometer lange Fluss entspringt in Russisch-Fernost nordöstlich von Wladiwostok im Süden des Sichote-Alin-Gebirges.
- Die Seja (russisch Зея) ist ein linker und etwa 1.200 Kilometer langer Nebenfluss des Amur in der Oblast Amur.
Gebirge und Berge
Die russische Topografie ist sowohl von vielen Gebirgen und Gebirgszügen als auch von Senken geprägt.
Die bedeutendsten Gebirge in Russland sind (alphabetisch):
Altai, Baikalgebirge, Chibinen, Kaukasus, Kolymagebirge, Putoranagebirge, Sajangebirge, Stanowoigebirge, Stanowoihochland, Tannu-ola-Gebirge, Tscherskigebirge, Ural, Werchojansker Gebirge.
Der höchste Berg in Russland ist der Elbrus (5.642 Meter) im Kaukasus.
Städte
Die 10 größten Städte Russlands:
- Moskau – Zentralrussland (10,10 Millionen Einwohner)
- Sankt Petersburg (Leningrad) – Nordwestrussland (4,58 Millionen Einwohner)
- Nowosibirsk – Sibirien (1,42 Millionen Einwohner)
- Nischni Nowgorod (Gorki) – Wolga (1,35 Millionen Einwohner)
- Jekaterinburg (Swerdlowsk) – Ural (1,26 Millionen Einwohner)
- Samara (Kujbyschew) – Wolga (1,16 Millionen Einwohner)
- Omsk – Sibirien (1,15 Millionen Einwohner)
- Kasan – Wolga (1,11 Millionen Einwohner)
- Tscheljabinsk – Ural (1,07 Millionen Einwohner)
- Ufa – Wolga (1,04 Millionen Einwohner)
Für weitere Städte siehe Liste der Städte in Russland.
Klima
Große Teile des Landes sind vom Kontinentalklima mit heißen Sommern und sehr kalten Wintern geprägt. Die vier Klimastationen Moskau, Jekaterinburg, Nowosibirsk und Bomnak liegen alle etwa auf 55° nördlicher Breite von West nach Ost. An ihnen lässt sich die zunehmende Kontinentalität mit immer ausgeprägteren Differenzen zwischen dem wärmsten und dem kältesten Monat des Jahres gut erkennen. Im Nordosten Sibiriens – beim Ort Oimjakon – liegt der Kältepol der Nordhalbkugel.
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Klimadiagramm von Moskau |
Klimadiagramm von Bomnak |
Die Klima- und Ökozonen verlaufen in Russland weitgehend breitenkreisparallel, so dass stark schematisiert folgende Nord-Süd-Abfolge entsteht:
| Klimazone Klima |
Ökozone | Verbreitung |
|---|---|---|
| Polare Zone Eisklimate |
Kältewüste | Inseln im Nordpolarmeer, nördlicher Teil der Taimyr-Halbinsel |
| Tundrenklimate | Kältesteppe (Tundra) | 200-800 Kilometer breite Zone nördlich des Polarkreises, im Mittelsibirischen Bergland nördlich 70° nördlicher Breite |
| Gemäßigte Zone Kaltgemäßigte Klimate |
borealer Nadelwald, in Sibirien „Taiga“ | 1000-2000 km breite Zone nördlich der Linie St. Petersburg–Ufa–Irkutsk–Sachalin |
| Kühlgemäßigte Klimate | sommergrüner Laub- und Mischwald | im europäischen Russland das Dreieck St. Petersburg–Odessa–Ufa, in Westsibirien der Streifen Tscheljabinsk–Krasnojarsk; Amur-Gebiet |
| Trockenklimate der mittleren Breiten | winterkalte Steppe winterkalte Halbwüste |
am Unterlauf von Don und Wolga, Nordkaukasus Kaspische Senke, Tuwa |
| Subtropische Zone Mittelmeerklima |
Hartlaubwald | Schwarzmeerküste zwischen Noworossisk und Sotschi |
Bevölkerung
Völker und Sprachen
Russland ist ein Vielvölkerstaat. So leben neben den Russen, die mit 79,8 Prozent die Mehrheit der Bevölkerung stellen, noch fast 100 andere Völker auf dem Gebiet des Landes. Größere Minderheiten sind die Tataren (4,0 Prozent), die Ukrainer (2,2 Prozent), die Armenier (1,9 Prozent), die Tschuwaschen (1,5 Prozent), die Baschkiren (1,4 Prozent), die Deutschen (0,8 Prozent) und andere. Zu den kleineren Minderheiten zählen beispielsweise die Mescheten und verschiedene Minderheiten jüdischen Glaubens. Sie sprechen meistens Sprachen aus dem Kreis der Uralische Sprachen (Samojedische Sprachen), Altaische Sprachen und Paläosibirische Sprachen. Für viele nichtrussische Völker wurden Republiken mit weitgehender Autonomie errichtet.
Seit dem Zerfall der Sowjetunion erlebt Russland einen deutlichen Bevölkerungsrückgang von etwa 670.000 Einwohnern pro Jahr. In den letzten Jahren verlangsamte sich dieser Trend jedoch, dank der neuen Demographie-Politik der Regierung[1]. Dennoch ist Russland das zweitwichtigste Einwanderungsland der Welt. Herkunftsländer sind hierbei vor allem die ärmeren, südlichen ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens und des Kaukasus, aber in zunehmender Zahl auch Afrika und Südostasien. Die Mehrheit der Einwanderer stellen bisher jedoch die Russen, die während der Sowjetzeit in anderen Teilrepubliken angesiedelt wurden und nun großenteils mit ihren Familien nach Russland zurückkehren.
Russisch ist die einzige überall geltende Amtssprache, parallel dazu wird in den einzelnen autonomen Republiken oftmals die jeweilige Volkssprache als zweite Amtssprache verwendet. Das kyrillische Alphabet ist die mit der Ausnahme Tatarstans einzige offizielle Schrift und es besteht die Richtlinie, dass alle jeweiligen Sprachen in Kyrillisch zu schreiben sind. Tatarisch wurde als einzige Ausnahme ab 2001 gegen den Widerstand der in Tatarstan ansässigen russischsprachigen Bevölkerung ausschließlich in lateinischer Schrift geschrieben. Diese Praxis verbot das Russische Verfassungsgericht jedoch im November 2004 mit der Begründung, dass für die Einigkeit Russlands eine einheitliche Schrift notwendig sei.[2]
Mehr als 80 Prozent der Russen leben in den westlichen Gebieten des Landes sowie im Süden Russlands.
Während manche Minderheiten wie etwa Armenier und Deutsche auf die verschiedensten Regionen Russlands verteilt sind, gibt es auch auf europäischem Boden, also zwischen dem traditionellen russischen Siedlungsgebiet und dem Ural mehrere indigene Völker. Groß ist die Zahl der Ethnien im Kaukasusgebiet, das erst im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts zu Russland kam.
- Die zahlenmäßig bedeutendsten indigenen Minderheiten des europäischen Russland:
| Name | Nationalität in: Russ. Föderation / Föderationskreis / eigener Republik | Sprache | Muttersprachler Link zur Sprache |
Sprachfamilie | Bevölkerungsanteil in der eigenen Republik | Historischer Bezug | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Wolga-Tataren | 5,6 Mio. | 4 Mio. (Wolga) | 2 Mio. | 7 Mio. | (Tatarisch), ? | Turksprache | Tatarstan (52,9 %) | Goldene Horde, zeitweise Oberhoheit über Moskau |
| Baschkiren | 1,7 Mio. | 1,4 Mio. (Wolga) | 1,2 Mio. | 2.2 Mio. | 1 Mio. | Turksprache | Baschkortostan (30 %) | |
| Tschuwaschen | 1,6 Mio. | 1,4 Mio. (Wolga) | 890.000 | 1,8 | Turksprache | Tschuwaschien (67,7 %) | Wolgabulgaren | |
| Tschetschenen | 1,4 Mio. | 1,3 Mio. (Süd) | 1,0 Mio. | 1 Mio. | nachisch | Tschetschenien (93 %) | ||
| Mordwinen | 977.000 | 788.000 (Wolga) | 410.000 | 1,2 Mio. | finnougrisch | Mordwinien (36,2 %) | Wolgamadjaren | |
| Awaren | 814.000 | 785.000 (Süd) | 758.000 | 700.000 ? | kaukasisch | Dagestan (29,44 %) | keine Beziehung zu den mittelalterlichen Awaren | |
| Osseten | 515.000 | 477.000 (Süd) | 446.000 | 1 Mio. | iranisch | Nordossetien-Alanien (62,70 %) | Alanen; dazu etwa 70.000 in Südossetien außerhalb Russlands | |
| Tscherkessen, 700.000 einschl. Kabardinern und Adyge |
(61.000) | 58.000 (Süd) | 50.000 | (Tscherkessisch) | kaukasisch | Karatschai-Tscherkessien (11 %) | nach 1770 mehr als die Hälfte ins Osmanische Reich vertrieben, heute 1,5 Mio. in der Türkei | |
| (512.000) | 512.000 (Süd) | 499.000 | (Kabardinisch) | Kabardino-Balkarien (48 %) | ||||
| (128.000) | 126.000 (Süd) | 108.000 | (120.000) | Adygeja (24%) | ||||
| Mari | 604.000 | 512.000 (Wolga) | 312.000 | 500.000 | finnougrisch | Mari El (43 %) | ||
| Udmurten | 637.000 | 561.000 (Wolga) | 461.000 | 464.000 | finnougrisch | Udmurtien (37 %) | ||
| Komi (Syrjänen) | 309.000 | 281.000 (Nordwest) | 269.000 | 110.000 | finnougrisch | Republik Komi (35 %) | ||
| Komi-Permjaken | 125.000 | 107.000 (Wolga) | 80.000 | Kreis der Komi-Permjaken | ||||
| Darginer | 510.000 | 489.000 (Süd) | 425.526 | 370.000 | kaukasisch | Dagestan (16,52 %) | ||
| Inguschen | 413.000 | 392.000 (Süd) | 360.000 | 240.000 | nachisch | Inguschetien (79 %) | ||
| Lesgier | 412.698 | 360.000 (Süd) | 337.000 | 260.000 | kaukasisch | Dagestan (13,07 %) | dazu etwa 300.000 außerhalb Russlands in Aserbaidschan | |
| Kumyken | 422.000 | 399.000 (Süd) | 366.000 | 280.000 | Turksprache | Dagestan (14,20 %) | möglicherweise Chasaren | |
| Kalmücken | 176.000 | 167.000 (Süd) | 156.000 | 280.000 | Mongolisch | Kalmückien (53 %) | nahe den Oiraten (Mongolei und China) verwandt | |
Die unter „Nationalität“ genannten Zahlen steht für die Identifikation, also wie viele Bürger Russlands und seiner Gliederungen sich bei der Volkszählung von 2002 [3] zu der jeweiligen Nationalität bekannt haben. In der amtlichen Statistik sind Mordwinen und Osseten sind jeweils zwei, bei den Komi eine Splittergruppe getrennt aufgeführt, die aber jeweils mehrheitlich in der selben Teilrepublik wohnen.
- Siehe auch
Religionen
Die in Russland am weitesten verbreiteten Religionen sind das Christentum – vor allem der russisch-orthodoxe Glaube – sowie der Islam. Vertreten sind darüber hinaus zahlreiche andere Konfessionen wie Judentum, Buddhismus sowie traditionelle Glaubensrichtungen bei einigen Volksgruppen. Mindestens ein Drittel der Bevölkerung bezeichnet sich jedoch als Atheisten oder Konfessionslose.
Christentum
Als entscheidendes Ereignis der Christianisierung Russlands gilt die Taufe des Kiewer Großfürsten Wladimir im Jahre 988. Schon 957 hatte sich zumindest die Fürstinmutter Olga taufen lassen, seit dem gescheiterten Angriff auf Konstantinopel waren ab 911 verstärkt orthodoxe Missionare ins Land gekommen. Angeblich sollen bereits Waräger und Russen des ersten gescheiterten Angriffs auf Konstantinopel (860) getauft zurückgekehrt sein.
Russisch-Orthodoxe Kirche
Nach der Vernichtung der Kiewer Rus durch die Mongolen übersiedelte der Kiewer Metropolit im 14. Jahrhundert zunächst nach Wladimir, dann 1328 nach Moskau. Im 15. Jahrhundert löste sich die Russisch-Orthodoxe Kirche endgültig vom Griechisch-Orthodoxen Patriarchat in Konstantinopel und errichtete 1589 ein eigenes Patriarchat. Zar Peter der Große hob das Patriarchat auf und setzte 1721 statt dessen einen Synod an die Spitze der Kirche, erst 1917 stellten ausgerechnet die Sowjets das Patriarchat wieder her.
Im Zarenreich gab es strenge Vorschriften für die Anhänger der Russisch-Orthodoxen Kirche. Sie durften beispielsweise nicht zu einer anderen Konfession, auch wenn sie christlich war, hinübertreten, sie durften „Nichtchristen“ nicht heiraten. Der Russisch-Orthodoxen Kirche war es als einziger Religion erlaubt zu missionieren. Erst mit der Revolution von 1905 wurden die Gesetze gelockert. Nach der Herrschaftsübernahme der Kommunisten wurden hauptsächlich Mitglieder dieser Kirche unterdrückt, da sie als Symbol für die zaristische Monarchie galt. Zwischen 1918 und 1939 wurden ca 40.000 orthodoxe Geistliche hingerichtet. Während es 1917 noch 77.800 Gemeinden gab, wurden 1941 nur noch etwa 3.100 gezählt.
Heute erlebt die Russisch-Orthodoxe Kirche eine Art Wiederbelebung. Viele Klöster wurden gegründet. Die Kirche zählt gegenwärtig etwa 100 Millionen Mitglieder, von denen jedoch nur 5 bis 10 Prozent regelmäßige Gottesdienstbesucher sind. Auch in der Politik spielt die Russisch-Orthodoxe Kirche wieder vermehrt eine Rolle. Religionsunterricht an Schulen wurde 2006 eingeführt. 2007 wurde Boris Jelzin nach russisch-orthodoxem Ritus beerdigt. Es war das erste Staatsbegräbnis nach russisch-orthodoxem Ritus seit mehr als 100 Jahren.[4]
Abspaltungen von der Russisch-Orthodoxen Kirche
Die älteste Abspaltung dürften die sogenannten Altorthodoxen oder Altgläubigen sein, die von der offiziellen Hierarchie auch Raskolniki (deutsch: Abspalter) genannt werden. Weitere aus der Orthodoxie hervorgegangene Glaubensrichtungen sind die Molokanen. Aus ihnen gingen wiederum die Duchoborzen hervor. Beide Religionsgemeinschaften lehnen Reichtum ab, versuchen ein Leben in Bescheidenheit zu führen und suchen nach einer wahrhaft biblischen Gemeinschaft. Von einigen Leibeigenen wurde die Gemeinschaft der Subbotniki gegründet. Diese berufen sich in erster Linie auf das Alte Testament. Viele dieser Sekten oder Gruppierungen waren im Zarenreich willkürlichen Verfolgungen ausgesetzt und wurden zu großen Teilen nach Sibirien oder in den Kaukasus verbannt, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten.
Römisch-Katholische Kirche
Die Römisch-katholische Kirche war im Zarenreich von jeher verhasst, da die Regierung eine Einflussnahme des Papstes über das katholische Königreich Polen befürchtete. Peter I. erlaubte im Jahre 1705 erstmals den Bau einer römisch-katholischen Kirche. Die Katholiken waren während der Herrschaft der Zaren sehr strengen staatlichen Kontrollen unterstellt.
Im Laufe der Jahre nach der Oktoberrevolution wurden die Katholiken wieder mehr beobachtet (einige Zeit kümmerten sich die Bolschewiki in erster Linie um die Kontrolle der orthodoxen Kirche). Bis 1930 waren alle kirchlichen Strukturen der Kirche zunichte gemacht. Nach 1945 gab es im russischen Teil der Sowjetunion nur 20 Gemeinden, denen es allerdings untersagt war, Verbindungen untereinander aufzubauen. Heute existieren ungefähr 200 katholische Gemeinden in Russland.
Evangelisches Christentum
Das evangelische Christentum war früher fast nur unter den Russlanddeutschen und in ihren Kolonien verbreitet. Erst nach der Revolution von 1905 wurden auch für Russen und Ukrainer andere Konfessionen legalisiert. Jedoch gab es auch durch die russlanddeutschen Adventisten und Baptisten erfolgreiche Missionierungsversuche unter der einheimischen Bevölkerung vor der Lockerung der Religionsgesetze.
Der Protestantismus erlebte in den 1920er Jahren trotz des Atheismus der Regierung der Sowjetunion eine Blütezeit (insbesondere die Baptisten, Siebenten-Tags-Adventisten und die Pfingstler). Jedoch wurden die Baptisten, Evangeliumschristen und die Pfingstler zu zentralistischen Ordnungen gezwungen, um sie besser kontrollieren zu können. Mit den Siebenten-Tags-Adventisten und den Mennoniten geschah dasselbe im Jahr 1963. In der Zeit des Stalinismus wurden viele evangelische Christen aller Strömungen hingerichtet und verfolgt.
Neuapostolische Kirche
Wie den meisten Konfessionen war es auch der Neuapostolischen Kirche (NAK) unmöglich vor dem Fall der Berliner Mauer (1989) und des eisernen Vorhangs, der das kommunistische Osteuropa strikt vom Westen trennte, in Russland zu missionieren. Seitdem Stammapostel Richard Fehr jedoch zum Mauerfall Mission anordnete wächst die Zahl der neuapostolischen Christen in Russland stetig. Während es um die Jahrtausendwende 23.500 waren, zählt die Neuapostolische Kirche heute beinahe 40.000 Gläubige. Auch ist sie seit Beginn der 90er Jahre staatlich anerkannt. Bisher wurde fast nur westlich vom Ural missioniert.[5][6]
Islam
→ Hauptartikel: Islam in Russland
Der Islam ist im Nordkaukasus schon seit dem 7. Jahrhundert verbreitet und damit auf dem heutigen russischen Staatsgebiet älter als die erste russische Staatsgründung und die Christianisierung des Landes. Im Jahr 922 traten auch die Wolgabulgaren zum Islam über und gaben ihn im 13. Jahrhundert an die Tataren weiter. Die einheimischen Völker des Kaukasus und die Turkvölker sind zumeist sunnitische Gläubige. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts waren im Russischen Reich 11,1 Prozent der Gesamtbevölkerung muslimischer Herkunft. Im heutigen Russland ist der Anteil der Muslime mit rund 14 Prozent etwa ebensogroß wie er einst in der Sowjetunion war.
Seit 1990 existiert in Russland eine islamische Partei, die sich Wiedergeburt nennt. Sie gibt es auch in anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Seitdem sind zahlreiche weitere Organisationen und Abspaltungen entstanden. Zentren des Islam in Russland sind heute neben Kasan und Moskau auch Ufa und Dagestan.
Judentum
→ Hauptartikel: Geschichte der Juden in Russland
Seit dem 4. Jhd. lassen sich Juden in Armenien und auf der Krim nachweisen. Im späten 8. oder frühen 9. Jhd. konvertierten die Chasaren zum Judentum. Nach der Vernichtung des Chasaren-Reiches durch Swjatoslaw I. (969) beschränkt sich das Judentum im wesentlichen auf Kiew, die Krim und den Kaukasus. Im Großfürstentum Moskau werden Juden 1471 das erste Mal erwähnt. Bis zur Zeit Iwan des Schrecklichen (1533-84) wurden Juden bis auf einige gegen sie gerichtete Gesetze toleriert. Ab 1721 wurden Juden aus dem Russischen Reich ausgewiesen, bis dies durch die Eingliederung der östlichen Teile Polens (1793 und 1795) (siehe auch Geschichte der Juden in Polen) unmöglich wurde. Die Juden mussten jedoch weiterhin innerhalb des Ansiedlungsrayons leben, der sich auf dem heutigen Gebiet der Ukraine, Weißrusslands und des Baltikums befand.
Im 19. Jahrhundert unterstützten die zaristischen Beamten antisemitsche Strömungen in der Bevölkerung. So kam es im südlichen Russland 1881 zu vielen Pogromen, nachdem den Juden fälschlich der Anschlag auf Alexander II. unterstellt wurde. Die Gesetzgebung vertrieb die Juden selbst im Ansiedlungsrayon aus den ländlichen Gebieten, und begrenzten mit Quoten die Anzahl der Juden, die zu höherer Bildung zugelassen wurden, auf 3 bis 10 Prozent. Zwischen 1880 und 1920 flohen mehr als zwei Millionen Juden aus Russland, besonders nach Amerika. 1903 brachen neue Pogrome aus, die sich in der Russischen Revolution nochmals verstärkten und zu zwischen 70.000 und 250.000 Opfern in der jüdischen Zivilbevölkerung führten.Während des Stalinismus wurde das Jüdische Autonome Gebiet in Russisch-Fernost gegründet, wo allerdings nur wenige Juden ansiedelten, da dort bis in die 1920er Jahr kein Jude gelebt hatte.
Im Vergleich zu den Jahrzehnten davor, gibt es heute nur noch wenige Juden, da viele von ihnen nach Deutschland oder nach Amerika, die meisten aber nach Israel, ausgewandert sind.
Heute gibt es in ganz Russland 87 Synagogen, die meisten davon allerdings in Sankt Petersburg und in Moskau.
Fast alle in Russland lebenden Juden sind Aschkenasim, aber es gibt auch noch einige wenige Bergjuden und Bucharische Juden.
Buddhismus
Ursprünglich war der Buddhismus nur unter asiatischen Völkern verbreitet (Kalmücken, Tuwiner). Auch buddhistische Mönche wurden während der kommunistischen Herrschaft verfolgt und unterdrückt, wie jede Religion in der Sowjetunion. Seit der politischen Wende in Russland und den anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion verzeichneten die buddhistischen Gemeinschaften Mitgliederzuwachs von den Angehörigen der traditionell buddhistischen Völker, aber auch von Russen und anderen Nationalitäten. In Russland ist die tibetische Form des Buddhismus verbreitet.
Schamanismus
Der Schamanismus ist unter der indignen Bevölkerung in Sibirien wieder weit verbreitet. In vielen Gebieten und autonomen Republiken werden die schamanistischen Feiertage von vielen Menschen begangen. Zwar sind heute die meisten Bewohner Sibiriens Christen, dennoch sehen sie es nicht als Widerspruch die Rituale ihrer Vorfahren zu praktizieren.
Situation heute
Was die Zugehörigkeit zu einzelnen Religionsgruppen angeht, gibt es keine zuverlässigen Zahlen, da die Mitglieder von Kirchen und Gemeinden in Russland nicht registriert werden. 2007 bezeichneten sich 51 Prozent der Befragten als Anhänger der Russisch-Orthodoxen Kirche,[7] Sieben Prozent bekannten sich zum Islam, ein Prozent zu anderen Konfessionen. 11 Prozent glaubten an eine übernatürliche Kraft, ohne sich an eine Glaubensrichtung gebunden zu fühlen. 30 Prozent bezeichneten sich als Atheisten. [8]
Das CIA-World-Factbook geht für das laufende Jahr von folgenden groben Schätzungen für praktizierende Gläubige aus, also von solchen die ihren Glauben aktiv ausüben: 15 bis 20 Prozent Russisch-Orthodoxe, 10 bis 15 Prozent Muslime, 2 Prozent übrige christliche Konfessionen.[9]
Bevölkerungsentwicklung
Russland Bevölkerungszahl sank von 147 Mio 1989 auf 146 Mio 2001 und schließlich weiter auf 142 Mio 2008, zuletzt also um über 500.000 Einwohner im Jahr. Die Bevölkerungsdichte:
- 8,46 Einwohner/km² (2004)
- 8,40 Einwohner/km² (2005)
- 8,35 Einwohner/km² (2006)
73 % der Russen leben in Städten.
Quelle: Russische Behörde für Statistik
Geschichte
→ Hauptartikel: Geschichte Russlands und Geschichte der Sowjetunion
Etymologie
Der alte ostslawische Name für das Gebiet des von Slawen bewohnten Teils des europäischen Russlands, Weißrusslands und der Ukraine war Rus (siehe auch Kiewer Rus), auf Griechisch Rossia. Auf diese Form geht auch der heutige russische Name Rossija zurück.
Streng genommen würde Rossijskaja Federazija wörtlich übersetzt ‚Russländische Föderation‘ (von Rossija ‚Russland‘) und nicht ‚Russische Föderation‘ heißen. Man hat bewusst nicht Russkaja Federazija (‚Russische Föderation‘) als Staatsbezeichnung gewählt, um auch die nicht-russischen Ethnien einzubeziehen. Ist von dem russischen Volk oder der russischsprachigen Kultur die Rede, spricht man daher im Russischen von russkij (‚russisch‘). Ist dagegen von den Staat Russland betreffenden Sachverhalten die Rede, verwendet man das Adjektiv rossijskij (‚russländisch‘). Trotzdem wird im Deutschen in beiden Fällen zumeist das Adjektiv ‚russisch‘ verwendet. Der Gebrauch des Wortes ‚russländisch‘ beschränkt sich weitgehend auf Fachpublikationen. Auch die amtliche Übersetzung der Staatsverfassung verwendet diese Variante.
Entstehung
Die früheste Geschichte des europäischen Russlands (für die Geschichte des asiatischen Teils, siehe Geschichte Sibiriens) ist im Norden geprägt von finno-ugrischen Völkern und Balten, und im Süden von den indogermanischen Steppenvölkern des Kurganvolks, der Kimmerer, Skythen, Sarmaten und Alanen; später kamen hier noch Griechen, Goten, Hunnen und Awaren hinzu. In die Mitte, zwischen Dnepr und Bug, kamen die slawischen Völker, die sich ab dem 6. Jahrhundert auch nach Norden und Osten auszudehnen begannen.
Ab dem 8. Jahrhundert befuhren schwedische Wikinger die osteuropäischen Flüsse, gründeten Städte und Siedlungen und vermischten sich mit der slawischen Mehrheitsbevölkerung. Diese auch Waräger oder Rus genannten Kriegerkaufleute waren maßgeblich an der Gründung des ersten ostslawischen Staates, der „Kiewer Rus“ mit Zentren in Kiew und Nowgorod, beteiligt. Im südlichen Steppengebiet und an der Wolga waren hingegen Reiche der aus Asien eingeströmten Turkvölker der Chasaren und Wolgabulgaren entstanden, mit denen die Rus Handel trieben, aber auch mehrfach Kriege führten. Intensive Kontakte mit dem Byzantinischen Reich führten schließlich 988 zur orthodoxen Christianisierung der Kiewer Rus.
Aufgrund des ungünstigen Senioratsprinzips bei der Regelung der Erbfolge begann die Kiewer Rus im 12. Jahrhundert zu zerfallen, was es den ab 1223 einfallenden Mongolen erleichterte, die zerstrittenen russischen Fürstentümer zu unterwerfen. Die Goldene Horde beherrschte nun für zwei Jahrhunderte einen großen Teil der Rus, ein anderer Teil wurde dem Großfürstentum Litauen und später Polen-Litauen eingegliedert. Das Großfürstentum Moskau, das sich als politischer Nachfolger von Wladimir-Susdal etablieren konnte, konnte sich schließlich von der mongolischen Fremdherrschaft befreien, und Großfürst Iwan IV. ließ sich 1547 zum ersten „Zar der ganzen Rus“ krönen. Unter seiner Herrschaft begann auch die Eroberung Sibiriens, die russische Kosaken erstmals im 17. Jahrhundert bis an den Pazifik brachte.
Öffnung Russlands unter Peter dem Großen
→ Hauptartikel: Russisches Reich
An der Wende zum 18. Jahrhundert öffnete Zar Peter der Große das teilweise in mittelalterlichen Strukturen erstarrte russische Reich westeuropäischen Einflüssen und förderte Wissenschaft und Kultur. 1703 gründet er die Stadt Sankt Petersburg, die das Symbol für den russischen Fortschritt werden sollte. Mit dem Sieg gegen Schweden im über 20 Jahre währenden Großen Nordischen Krieg und der damit erlangten Vormachtstellung im Ostseeraum machte er Russland zu einer gesamteuropäischen Großmacht.
Zarin Katharina die Große ging Peters Weg weiter und betrieb konsequent Expansionspolitik, im Laufe derer sie die Schwarzmeerküste vom Osmanischen Reich eroberte (Neurussland) und sich an den Teilungen Polens beteiligte. 1812 fielen Napoleons Truppen in Russland ein und eroberten Moskau, wurden schließlich jedoch vernichtend geschlagen. Bald darauf zog Zar Alexander I. als „Retter Europas“ in Paris ein. Russland gehörte nun zu den führenden Mächten in Europa und erlebte ein goldenes Zeitalter.
Ab 1825 gab es im unzufriedenen Volk, in den annektierten Gebieten (Polen, Litauen etc.) und bei der Intelligenzija immer wieder Aufstände, Unruhen und Attentate (siehe Dekabristen), und in den 1860er Jahren kam es zur Aufhebung der Leibeigenschaft. Trotz erheblicher Industrieproduktion (Stahl, Kohle, Öl, Militärbedarf) geriet Russland immer mehr ins Hintertreffen gegenüber den westeuropäischen Großmächten. Der Grund hierfür war die Ineffizienz des staatlich kontrollierten Aufbaus der Industrie, der nur in den städtischen Ballungszentren vorangetrieben wurde. Während in den großen Städten wie Moskau und St. Petersburg aufgrund der Landflucht ein Industrieproletariat entstand, verharrte das übrige Land in Armut und der Rechts- und Sozialordnung der Feudalgesellschaft.
Die Industrialisierung drang nicht in die ländlichen Provinzen des Riesenreichs vor, sondern beschränkte sich hauptsächlich auf Moskau, Sankt Petersburg, Warschau und Łódź. Mangelnde Infrastruktur, die Armut der Arbeiter und Bauern und die fehlende Demokratisierung bereiteten große Probleme, wie das Zarenreich erstmals im Krimkrieg und schließlich 1905 bei der Niederlage gegen Japan schmerzlichst erfahren musste. Allerdings war Zar Nikolaus II. nicht bereit, grundlegende Reformen einzuleiten. So ließ er ein weitgehend funktionsloses Parlament, die Duma, das er notgedrungen genehmigt hatte, nur kurze Zeit später wieder auflösen.
Russische Revolution
→ Hauptartikel: Russische Revolution
Als im Jahre 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, erfasste das zaristische Russlands neuerlich eine patriotische Welle, die nach dem verlorenen Russisch-Japanischen Krieg von 1904-1905, praktisch verloren ging. Die anfänglichen Erfolge, vor allem gegen Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich, wurden jedoch bald abgelöst von einem zermürbenden Stellungskrieg, bis schließlich 1917 die Moral der russischen Soldaten nachgab und die Front zusammenbrach. Im russischen Reich gab es einen langen Winter 1916/1917 und dazu Ernteausfälle, die eine Hungersnot zu folge hatten. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung und die trostlose Versorgungslage waren die Ursachen, dass es in der damaligen Hauptstadt Petrograd (Sankt Petersburg) zu Demonstrationen der Arbeiter und Bauern kam. Nach blutiger Niederschlagung der Demonstranten auf Befehl des Zaren kochte die Stimmung in Gewalt über und die Masse stürmte den Winterpalast − den damaligen Sitz des Zaren Nikolaus − und der Zar wurde zum Abdanken gezwungen.
Eine bürgerliche Doppelregierung von provisorischer Regierung unter Alexander Kerenski mit der Beteiligung von Wladimir Dmitrijewitsch Nabokow (dem Vater von Vladimir Nabokov) einerseits und den Arbeitersowjets andererseits kam an die Macht. Dieser republikanischen Herrschaft machte kurz darauf die von Lenin, Leo Trotzki und den Bolschewiki initiierte Oktoberrevolution ein Ende.
Russischer Bürgerkrieg
→ Hauptartikel: Russischer Bürgerkrieg
Aus dem der Oktoberrevolution folgenden Bürgerkrieg zwischen „roten“ kommunistischen und „weißen“ monarchistischen, republikanischen und anderen anti-kommunistischen Kräften gingen die Kommunisten im russischen Kernland als Sieger hervor. Nachdem die Roten ihre Macht im Kerngebiet des ehemaligen Zarenreiches politisch und militärisch gefestigt hatten, war es nun naheliegend, diese Macht auch an der Peripherie zu sichern. Hierbei ergaben sich bereits erste Widerstände gegen den Umsturz, die die Konfliktlinien des Bürgerkriegs vorzeichneten. Sie verliefen entlang sozialen, regionalen und nationalen Grenzen innerhalb des Vielvölkerstaats. Diese Periode des Bürgerkrieges wird als „Eisenbahnkrieg“ bezeichnet, da sich die militärischen Aktionen der Roten vor allem auf Verschiebung von revolutionären Verbänden über das auf Petrograd (Sankt Petersburg) und Moskau zentrierte Eisenbahnnetz an die verschiedenen Krisenherde stützten.
Durch die Abwehr der kommunistischen Roten Armee erkämpften so die baltischen Staaten Estland und Lettland ihre Unabhängigkeit von Russland. Im Laufe dieses Bürgerkriegs, sowie des darauf folgenden polnisch-russischen Kriegs, verlor Russland ebenso 1920 Teile Weißrusslands und der Ukraine („Ostpolen“) an Polen. 1921 wurde dann die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) ausgerufen, die den wichtigsten Teil der späteren Sowjetunion darstellte.
Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
→ Hauptartikel: Geschichte der Sowjetunion
Am 30. Dezember 1922 wurde der Zusammenschluss aller Sowjetischen Sozialistischen Republiken zur Sowjetunion beschlossen und eine staatlich kontrollierte Wirtschaftspolitik ausgerufen. Die Sowjets wurden als Eigentümer von Boden und Produktionsmitteln erklärt. Lenins Tod am 21. Januar 1924 führte zu einem erbitterten Nachfolgekampf, in dem sich Josef Stalin gegen Leo Trotzki durchsetzte. Stalin festigte seine Macht durch gezielten Terror gegen seine Widersacher von „rechts“ (u. a. Bucharin) und „links“ (Leo Trotzki, später Sinowjew und Kamenew) sowie jeden, der im Verdacht stand, mit ihnen zu sympathisieren. Seit 1928 wurde die staatliche Wirtschaft Fünfjahrplänen unterworfen, die Industrialisierung und Infrastruktur, speziell im asiatischen Teil des Landes, vorangetrieben und die Landwirtschaft kollektiviert.
Der Zweite Weltkrieg
Im August 1939 schloss die Sowjetunion einen Nichtangriffspakt mit Deutschland und sicherte sich in einem geheimen Zusatzabkommen die Wiedereingliederung der infolge des Polnisch-Sowjetischen Krieges verlorenen ostpolnischen Gebiete, des Baltikums und Bessarabiens. Nach der Besetzung genannter Gebiete und Länder durch die Rote Armee wurden diese in die Sowjetunion eingegliedert.
Nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 trat diese an der Seite der Alliierten in den Zweiten Weltkrieg ein (in der Sowjetunion











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